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 Demenzkranker Bewohner verlässt unbemerkt das Pflegeheim

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Kommentare

15.10.2007 11:40 von Anonym

Dies passiert leider viel zu häufig, denn die Begründung von der Pflegedienst- oder Heimleitung ist oft, dass es ja ein offenes Haus wäre, wo man nicht einfach so die Türen versperren könne.

Aber wenn es dann passiert, sind die Pflegekräfte daran Schuld, weil sie in dem Moment nicht auf den Bewohner aufgepasst haben.

Nur wie soll das gehen, wenn die Besetzung 3 im Frühdienst und 2 im Spätdienst ist und man 35 Bewohner zu betreuen hat?

Eine Pforte ist eine gute Idee. Besser als ein halbstündlicher Kontrollgang bei den Bewohnern, die weglaufgefährdet sind.
Denn in einer halben Stunde kann viel passieren und ein Bewohner kann in dieser Zeit sehr weit kommen.

Auch gibt es Heime, die ein elektronisches Band für das Handgelenk des Bewohners anbieten, das Alarm schlägt, wenn sich der Bewohner 200m vom Haus entfernt.


15.10.2007 11:44 von Anonym

Heime sind und sollten Einrichtungen sein, die trotz eines solchen Vorfalles nicht zu "Hochsicherheitsgebäuden" werden dürfen.

Jeder Mensch, der in einem Altenheim lebt, muss die Möglichkeit haben, dieses zu verlassen.

Ein höheres Anbringen von Türgriffen, Sichern von Treppenhäusern und Abschließen von Türen sind Maßnahmen, die nicht demenzkranke Menschen an einem erwünschten Verlassen des Altenheims hindern.
Das darf nicht passieren.

Hingegen muss man sich im geschilderten Falle überlegen, wie man Menschen mit einem erhöhten Bewegungsdrang, an einem für den Menschen selbst gefährdeten Verlassen des Bereiches hindern könnte.

Hat der Bewohner schon vorher einen sehr starken Bewegungsdrang gehabt?
Wenn ja, scheint man etwas versäumt zu haben. Denn solche Menschen sollten wegen der Eigengefährdung auf einen beschützenden Bereich. (Auch wenn man keinen eigenen im Haus hat.)

Ist es nicht möglich diesen Menschen in die Gemeinschaft des Bereiches so einzugliedern, dass er vielleicht weniger auf die Idee kommt, los gehen zu müssen?

Wie sieht es auf dem Bereich selbst aus? Sind geeignete Maßnahmen vorhanden? (Klangspiel an der Tür?)

Die Autorin des Berichtes, die wahrscheinlich auch die schichtführende Pflegerin war, kann ich gut verstehen. Sie hat eine, in meinen Augen, ungerechtfertigte Abmahnung bekommen.

Jedoch ein positiver Faktor könnte sein, dass man sich, nach dem Ärgernis der Abmahnung, Gedanken macht, wie man den Bereich eventuell so gestalten könnte, dass Bewohner den Bereich seltener verlassen wollen.


15.10.2007 11:59 von Anonym

Solche Vorkommnisse können sich in jeder offenen Senioreneinrichtung ereignen.

Bei wiederholtem Vorkommen sollte allerdings von Seiten der Leitung ein Gespräch mit Angehörigen/Betreuern geführt werden, ob man sich nicht für die Unterbringung in einer Einrichtung mit geschütztem (geschlossenem) Bereich entscheidet, wenn alle pflegerischen Maßnahmen zu keiner Änderung führen (Orientierungstraining, Beschäftigungstherapie).

Eine Lösung durch die Beantragung einer Fixierung sichert zwar die Einrichtung ab, ist aber die schlechteste Alternative für den Bewohner. Vielleicht gibt es noch sanfte medikamentöse Lösungen, die aber den Bewohner nicht in die Immobilität bringen dürften.

Die Sicherung von Treppenhäusern ist in der Regel brandschutztechnisch schwierig und mit enormen Kosten verbunden. Und da bleiben ja auch noch die Aufzüge.
Wenn die Konzeption des Hauses nicht in diese Richtung gedacht ist, macht es auch keinen Sinn.

Eine höhere Besetzung im Pflegedienst befürworte ich uneingeschränkt, doch weder Politik noch Betroffene sind bereit, noch mehr für einen Heimplatz zu bezahlen.

Die Besetzung der Pforte über 24 Std. läßt sich in keiner Vergütungsverhandlung realisieren.

Die Abmahnung ist m. E. zu Unrecht erteilt worden.

Als Einrichtungsleiter [...] scheint mir die Abmahnung dazu zu dienen, den Beschwerdeführern einen Schuldigen präsentieren zu können. Das Problem wird aber nicht gelöst, der Mitarbeiter zu Unrecht abgestraft und die Motivation der Pflegenden ausgebremst. [...]


15.10.2007 12:29 von Anonym

Das kann in offenen Häusern immer wieder passieren.

Bei uns gibt es drei Treppenhäuser und 2 Aufzüge, also 5 Möglichkeiten den Wohnbereich unbemerkt zu verlassen.

Die Abmahnung finde ich nicht gerecht. Man kann seine Augen nicht immer und überall haben. Man sollte vor dem Einzug Angehörige darauf hinweisen, dass so etwas passieren kann und man nicht garantieren kann, das ein Bewohner nicht unbemerkt den Wohnbereich verlässt.

Bei uns wird dies immer gemacht.


15.10.2007 12:43 von Anonym

Kürzlich habe ich in einem Gespräch vernommen, dass es ein Heim gibt, in dem alle Bewohner, die das Haus nicht ohne Begleitung verlassen dürfen ein Armbändchen o.ä. haben, mit dem sich dann die Haustür nicht öffnen lässt.

Das finde ich eigentlich eine sehr gute Sache, da sich die Bewohner zumindest innerhalb des Hauses frei bewegen können.

Und auch jemand mit Weglauftendenz hat zusätzlich zu dieser auch einen natürlichen Bewegungsdrang, der durch einfaches Wegsperren nicht so ohne weiteres verschwindet.


15.10.2007 15:48 von Dorothee Wiederhold

1) Für Ablenkung beim Ausgang sorgen. Z.B. eine Garderobe mit vielen Hüten und Handtaschen vom Flohmarkt, das lenkt die Bewohner ab (zu ca. 90 Prozent bleiben sie stehen und wühlen in den Sachen).

2) Abmahnung der Pflegerin ist ungeeignet. Dies führt unter Umständen zu großem Stress bei Ihr und bei wiederholtem Weggehen des Bewohners zu aggressivem Handeln und Agieren der Pflegerin.

3) Hier besteht ein ethisches Dilemma: Autonomie des demenzkranken Bewohners, darf weglaufen, offenes Haus versus Sicherheit gefährdet sich selbst und evtl. Andere (Verkehr), wenn er wegläuft.

Dies sollte in einer Fallbesprechung angesprochen und gemeinsam mit den Angehörigen nach Wegen gesucht werden.


26.04.2010 11:14 von Anonym

Mir hat das Buch "Phänomen Hinlauftendenz: Wenn alte Menschen weglaufen" geholfen, den Wohnbereich etwas sicherer zu machen und die Anzahl der Weglaufereignisse zu verringern.

Aber trotzdem kommt es vor, man kann nie alle Bewohner im Blick haben. Daher ist die Abmahnung sicher nicht gerechfertigt.


01.05.2010 00:07 von Anonym

In unserem Wohnheim gilt die Regel, dass die verantwortlichen Mitarbeiter/innen zur vollen Stunde - bei gefährdeten Personen sogar mindestens halbstündlich - den Aufenthaltsort aller Bewohner/innen in Erfahrung bringen müssen.


13.08.2013 15:55 von Anonym

Für mich stellt sich die Frage: ist es bekannt das dieser Bewohner eine Hin-/Weglauftendenz hat? Wurde ein entsprechendes Fallgespräch geführt? Konnte ermittelt werden, wann (Uhrzeit) der Bewohner besonderes Hin/Weglauftendenzen zeigt? Welche Maßnahmen sind veranlasst worden dem Bewegungsrang nach zukommen? Wurden Beschäftigungen/Ablenkungen angeboten aus der Biographie abgeleitet sind? Ist ein Bild des Bew. an der Zentrale/Empfang hinterlegt?

Das Verlassen eines offen Hauses ist immer möglich, auch wenn die Zentrale/der Empfang besetzt sind.

Die Abmahnung für die Pflegende finde ich unmöglich, entweder ist es die Haltung der Einrichtung, dass es ein offenes Haus ist, oder nicht. Wenn bekannt ist das ein Bewohner mit entsprechende Tendenz im Haus lebt, sollten auch die Heim- und die Pflegedienstleitung überprüfen, ob alle Maßnahmen, die im Haus vorgesehen sind, auch durchgeführt werden. Sonst erfüllen Sie auch nicht ihre Führsorgepflich.