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 Hilfskraft soll Medikamente stellen

22.07.2009 Handlungsfeld: Medikamentengabe

 

Hilfskraft soll Medikamente stellen

Eine Pflegehilfskraft wird von der Gruppenleitung aufgefordert, die Medikamente zu stellen.


Weitere Beschreibung Information zur Beschreibung
Was ist passiert?Eine Pflegehilfskraft wird aufgefordert, die Medikamente zu stellen.
AuslöserDie Gruppenleitung ist der Auffassung, dass bei schlechter Personalbesetzung das Stellen der Medikamente auch von einer Pflegehilfskraft übernommen werden kann.
Umgang mit der SituationIch war sehr verunsichert und frage mich nun, welche Handlungen ich als Hilfskraft übernehmen darf und welche nicht.
Verbesserungs-
vorschläge
Behandlungspflegerische Maßnahmen nur von Pflegefachkräften durchführen lassen.
ArbeitsbereichPflege
ZeitFrühdienst
HäufigkeitWiederholt
VersorgungsformTeilstationär » Tagespflege
BerichtendePflegehilfskraft

Stellungnahme des KDA:

Therapie und Diagnostik (behandlungspflegerische Maßnahmen) sind grundsätzlich ärztliche Leistungen, die unter folgenden Voraussetzungen delegiert werden können:

  • die Maßnahmen erfordern nicht das persönliche Handeln eines Arztes,
  • die Maßnahmen wurden von einem Arzt angeordnet,
  • die betreffenden Bewohner haben in die Durchführung der Maßnahmen durch die Pflegekraft eingewilligt,
  • die Pflegekraft ist zur Durchführung der Anordnung befähigt und bereit.

 

Befähigung der Pflegekraft

Hinsichtlich der Befähigung sind formale Qualifikation und materielle Qualifikation zu unterscheiden, die nicht gleichgestellt werden können.

Eine formale Qualifikation wird mit dem erfolgreichen Abschluss einer dreijährigen pflegerischen Ausbildung erworben.

Unter der materiellen Qualifikation werden individuelle Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten verstanden, die die durch langjährige Pflegeerfahrung und besonderes Engagement erworben wurden. Die materielle Qualifikation muss fachlich begründbar und nachvollziehbar sein (z. B. durch einen Befähigungsnachweis nach einer dokumentierten Anleitung).


Delegation auf Pflegefachkräfte

Bei Kranken- und Altenpflegerinnen und -pflegern, die eine dreijährige Ausbildung absolviert haben, liegt eine formale Qualifikation vor. (Nach einer zweijährigen Altenpflegeausbildung ist im Einzelfall zu prüfen, ob eine entsprechend Qualifikation vorliegt.) Eine uneingeschränkte Delegation von therapeutischen und diagnostischen Maßnahmen ist unter den oben genannten Kriterien jederzeit möglich.


Delegation auf Pflegehilfskräfte

Eine uneingeschränkte Delegation auf Pflegehilfskräfte ist nicht möglich. Pflegehilfskräfte können über eine formale Qualifikation verfügen, die aber von der umfänglichen formalen Qualifikation der Pflegefachkräfte unterschieden werden muss. Zu unterscheiden ist zudem zwischen Krankenpflegehelfern und Altenpflegehelfern.


Krankenpflegehelferinnen und -helfer haben in ihrer Ausbildung therapeutische und diagnostische Maßnahmen erlernt und verfügen damit über eine formale Qualifikation, nach der sie zur selbständigen Durchführung der erlernten Maßnahmen befugt sind (z.B. Mithilfe bei Injektionen, Sondierungen und Spülungen). Dennoch ist bei Krankenpflegehelfern neben dem formalen Aspekt der Ausbildung von der zuständigen Pflegefachkraft die materielle Qualifikation überprüft werden. Dies geschieht über eine Anleitung und eine Kontrolle der fachgerechten Erbringung der Maßnahmen.


Bei der Ausbildung zum/zur Altenpflegehelfer/in ist das Ausbildungsprofil in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich. Daher kann nicht davon ausgegangen werden, dass Altenpflegehelfer/innen über eine formale Qualifikation verfügen. Die Delegation an Altenpflegehelferinnen ist nach dem Urteil des Sozialgerichtes Speyer vom 27.07.2005 (Az.: S 3 P 122/03) demnach gleichzusetzen mit der Delegation auf angelernte Kräfte.


Delegation auf angelernte Kräfte

Als angelernte Kräfte werden Pflegekräfte bezeichnet, die nicht über eine formale Qualifikation durch eine pflegerische Ausbildung verfügen.

Nach dem Urteil des Sozialgerichtes Speyer besitzen angelernte Kräfte nicht die Qualifikation zur Durchführung von therapeutischen und diagnostischen Maßnahmen.


Eine zentrale Bedingung für die Durchführung dieser Maßnahmen ist nach diesem Gerichtsurteil das Erkennen medizinischer Zusammenhänge mit der Möglichkeit der Reaktion (Einleiten entsprechender Gegenmaßnahmen) beim Auftreten oder der Verschlimmerung einer Krankheit sowie bei medizinischen Komplikationen.

Diese Bedingung sei bei angelernten Kräften nicht gegeben. Deshalb würde sich durch ihren Einsatz eine Erhöhung des Risikos ergeben, das den Grundsätzen und Vorgaben des § 11 Abs. 1 Satz 1 SGB XI nachdem Pflegeeinrichtungen die Pflegebedürftigen, die ihre Leistungen in Anspruch nehmen, nach dem allgemein anerkannten Stand medizinisch-pflegerischer Erkenntnisse pflegen, versorgen und betreuen, widerspricht.

Eine Delegation von therapeutischen und diagnostischen Maßnahmen auf - auch ausgewählte - angelernte Kräfte stellt zudem einen Qualitätsmangel im Sinne des § 115 Abs. 2 Satz 1 SGB XI dar.


Das Urteil besitzt eine uneingeschränkte Geltung und ist daher für alle Pflegeeinrichtungen bindend.

 

Hinweis:

Nach den Empfehlungen des MDK sollte die Pflegeeinrichtung mit allen an der Versorgung der Bewohner beteiligten Ärzten schriftlich vereinbaren, wie die Delegation ärztlicher Anordnung erfolgt, um Rechtssicherheit zu erreichen.

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Kommentare

27.07.2009 14:21 von Anonym

Laut MDK sind Altenpflegehilfskräfte den Krankenpflegehilfskräften gleich zu stellen und nicht den angelernten Kräften.

Es sei, wie es sei. Die delegierende Pflegefachkraft muss sich in jedem Fall bei den ersten Malen und dann in regelmäßigen und der Situation angepassten Abständen vom Können ihrer Hilfskräfte überzeugen.

Das bringt die Delegationsverantwortung mit sich.


15.09.2013 13:48 von Anonym

Hätten wir eine Pflegekammer, könnte dieser Punkt eindeutigung im Rahmen eines Berufsstandards geklärt werden, so dass jede/r weiß, woran sie/er ist.