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Aus kritischen Ereignissen lernen - Online-Berichts- und Lernsystem für die Altenpflege

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 Frühstück auf Toilettenstuhl

22.10.2007 Handlungsfeld: Arbeitsorganisation

 

Frühstück auf Toilettenstuhl

Einzelne Pflegende zwingen Bewohner auf einem Toilettenstuhl sitzend zu frühstücken.


Weitere Beschreibung Information zur Beschreibung
Was ist passiert?Bewohner werden von einzelnen Pflegenden vor dem Frühstück auf einen Toilettenstuhl gesetzt, teilweise mit dem Stecklaken festgebunden.
Sie müssen auf dem Toilettenstuhl frühstücken.

Gespräche im Team führen zu keiner Einigung. Nur einzelne Pflegende sehen die Menschenunwürdigkeit dieser Praktik ein.
AuslöserWohnbereichsleitung billigt die Vorgehensweise.
Verfechter begründen diese mit Zeitmangel.
Positive FaktorenPraktik wurde thematisiert.
Einige Mitarbeiter haben ein Einsehen gezeigt, nachdem sie sich vergegenwärtigt haben, dass sie selbst so auch nicht frühstücken wollten.

Zudem wurde die erhöhte Dekubitusgefährdung thematisiert, wenn Bewohner 2-3 Stunden auf den harten Toilettenstühlen sitzen.
Umgang mit der SituationGespaltene Meinungen: Einige Mitarbeiter haben es nach und nach eingesehen, andere schienen verärgert zu sein.

Es haben sich im Team zwei Fraktionen gebildet. Wie morgens verfahren wird, ist davon abhängig, ob Gegner der WC-Stuhl-Praktik anwesend sind.
Verbesserungs-
vorschläge
Wohnbereichsleitung muss an die menschliche Vernunft ihrer Mitarbeiter appellieren.
Und sie muss den korrekten Umgang mit den Bewohnern vorleben.
ArbeitsbereichPflege
ZeitFrühdienst
HäufigkeitWiederholt täglich
VersorgungsformStationär » Klassisches Altenpflegeheim
BerichtendeMitarbeiter Pflege
BeteiligteMitarbeiter Pflege

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Kommentare

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24.10.2007 14:25 von Anonym

Hallo,die Wohnbereichsleitung muss es nicht nur vorleben, sie muss es auch untersagen!

Oft ist es nicht damit getan, an das Verständnis der Mitarbeiter zu appellieren. Dienstanweisung ist der Weg. Hier handelt es sich um ein Thema, das aus meiner Sicht nicht diskutierbar ist.


24.10.2007 14:32 von Anonym

Als Einrichtungsleitung bin ich entsetzt über das, was ich hier lesen muss.
Sie schildern hier nicht nur eine menschenunwürdige Praxis sondern auch eine Freiheitsberaubung, da ich mir kaum vorstellen kann, dass bei den mit Stecklaken festgebundenen Bewohnern eine entspr. vormundschaftsgerichtliche Genehmigung hierzu vorliegt.

Aber was sagen denn Ihre Pflegedienst- bzw. Heimleitung dazu?!
Wissen diese von der Vorgehensweise? Wenn nicht, bitte umgehend informieren.

Es besteht sofortiger Handlungsbedarf. Und es bedarf auch keiner Diskussion mit den Verfechtern dieser Praxis aus dem Pflegedienst.

Also zunächst: Dienstanweisung > Kontrolle der Einhaltung > wenn erforderlich, Abmahnung.
Parallel: Qualitätszirkel bilden, um die Organisationsstrukturen zu hinterfragen und anzupassen.

Wäre dieses wiederkehrende Ereignis weniger kritisch, würde ich hiermit beginnen. Da aber ein positives Ergebnis hieraus nicht kurzfristig zu erwarten ist, schlage ich aufgrund der Dringlichkeit die Einleitung mit einer Dienstanweisung vor.

Bei aller Organisation wird auch weiterhin der Zeitmangel im Vordergrund stehen. Der von der Politik erzwungene Drill zur Führung einer "perfekten" Pflegedokumentation und dem Nachweis eines lückenlosen Qualitätsmanagements mit einem übernatürlichen Zeitaufwand für alle Mitarbeiter wird die Situation der Heimbewohner und der Pflegenden nicht verbessern.
Gewollt ist eine optimale und menschenwürdige Versorgung unserer Bewohner, die Prüfkriterien jedoch stellen auch weiterhin dieses eher in den Hintergrund. Doch nun einmal ehrlich. Was interessiert mich als zukünftiger Bewohner oder Angehöriger bei der Veröffentlichung von Prüfberichten eine optimal geführte Pflegedokumentation und strukturiertes Qualitätsmanagement, wenn ich lesen muss, dass bei der Versorgung der Bewohner Defizite bestehen........


24.10.2007 14:35 von Anonym

Für mich ist unglaublich, wie mit der Würde des Menschen umgegangen wird.

Wofür gibt es eine Wohnbereichsleitung?
Wofür gibt es eine Pflegedienstleitung?

Wenn es die Wohnbereichsleitung mit ihrer Kompetenz nicht schafft, klare Regeln aufzustellen... so ist doch noch die Pflegedienstleitung da. Wenn sie vor Ort ist, dann sieht sie auch solche Dinge und hat Regeln aufzustellen. Sie hat die letzte Verantwortung.

Aber die heutigen Pflegedienstleitungen fühlen sich bei den GmbH´s als kleine Geschäftsführer. Für die wichtigen Dinge vor Ort, das Leben der Bewohner, die Einhaltung der menschlichen Würde, ist oft kein Interesse vorhanden.

Das Leitbild wird sicherlich fein und ordentlich irgendwo hängen... weil der MDK und die Heimaufsicht es so fordern....


24.10.2007 14:36 von Anonym

Diese Praktik ist natürlich überhaupt nicht schön. Schließlich heißt der Toilettenstuhl nicht umsonst so, außerdem ist es ja durchaus üblich, die Bewohner/Patienten auch zu anderen Zeiten auf diesen Stuhl zu setzen.

Was ich jedoch als positiv bewerten muss, ist die Tatsache, dass die Bewohner zum Frühstück überhaupt aus dem Bett raus dürfen.

Ich habe es schon erlebt, dass sich das Personal über die Nahrungsverweigerung gewundert hat, bis eine Schwester feststellte, dass die Patientin durchaus in der Lage ist selber zu essen, sofern sie aus dem Bett darf.


24.10.2007 14:40 von Han Solo

Da stehen einem ja die Haare zu Berge. Das darf in der heutigen Zeit nicht mehr passieren.

Ich denke man sollte die Pflegenden, die so etwas dulden auch mal zum frühstücken auf einen Toilettenstuhl setzen.

Dies steht in keinem Bezug mit den derzeitigen Pflegekonzepten.
Bitte nicht den Weg zurück ins Mittelalter gehen!


24.10.2007 16:48 von Anonym

Ich kann das Argument "Zeitmangel" nicht mehr hören!

Solche Praktiken wie die beschriebene und viele andere, die die Menschenwürde in eklatanter Weise verletzen, werden damit immer wieder begründet.

Ich bin immer wieder schockiert darüber wie wenig Unrechtsbewusstsein bei vielen Pflegekräften, auch Fachkräften da ist!

Ich denke, dass bei solchen Verhaltensweisen des Pflegepersonals die Wohnbereichsleitung, die PDL, notfalls auch die Heimleitung gefragt ist.


24.10.2007 18:03 von Anonym

[...]
Ich verstehe nicht, wie man eine solche Wohnbereichsleitung einstellen kann?

Und gibt es denn gar keine Kontrollen?


25.10.2007 15:19 von Anonym

Vielleicht bringt ja ein anonymer Hinweis an den MDK oder die ortsansässige Heimaufsicht was.

Hier muss sich im Regelfall der Träger der Einrichtung für sein Vorgehen (auch die Duldung) rechtfertigen.


29.10.2007 14:09 von Anonym

Ich habe selber in einem Heim gearbeitet, in dem Bewohner auf dem Toilettenstuhl frühstücken mussten.

Ich habe gekündigt, da ich dies mit meinem Gewissen nicht vereinbaren konnte. [...]


31.10.2007 15:40 von gerd peter

Mir fehlt jedes Verständnis für Mitarbeiter, die so etwas tun und auch noch darüber diskutieren, ob es zu verantworten ist.

Warum gehen sie nicht endlich aus ihrer Anonymität?

Warum machen sie tagtäglich ein derart schmutziges und menschenverachtendes Spiel mit?


05.11.2007 13:45 von Anonym

Was spricht eigentlich dagegen, die Bewohner im Nachthemd/Schlafanzug in den Rollstuhl zu setzen und vor der Pflege erstmal frühstücken lassen?
Der Zeitaufwand ist der gleiche.

Ich finde es wirklich entwürdigend, einen Menschen auf dem Toilettenstuhl das Essen zu geben.
Es sollte sich jede Pflegekraft einmal fragen, ob ihr das gefallen würde, so gezwungen (und vielleicht auch noch fixiert) das Frühstück zu "genießen".


08.11.2007 11:43 von Uwe Quast

Vorleben, Vorleben, Vorleben und nicht akzeptieren.

Vielleicht benötigt die "Toilettenesskulturfraktion" drastische Beispiele im eigenen Pausenraum?

Es ist schließlich auch zu fragen, welches Informationsmittel, welche Konditionierungshilfe benötigen die KollegInnen, die glauben, eine solche Praxis habe etwas mit Menschenwürde zu tun.

Deshalb: Vorleben, Vorleben, .... Vormachen!
Aber beide Alternativen beispielhaft aufzeigen (Teamgespräch / Übergabe etc.).


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