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 Unabgesprochene Streichung freier Tage

26.08.2008 Handlungsfeld: Dienstplanung

 

Unabgesprochene Streichung freier Tage

Als eine Pflegekraft zum Dienst kommt, stellt sie fest, dass ihr einige freie Tage gestrichen wurden.


Weitere Beschreibung Information zur Beschreibung
Was ist passiert?Eine Pflegekraft tritt nach einem freien Tag wieder den Dienst an und stellt fest, dass im Dienstplan mehrere freie Tage gestrichen wurden und durch Früh- und/oder Spätschichten ersetzt sind.

Mit der Pflegekraft wurde darüber im Vorfeld nicht gesprochen.
AuslöserWahrscheinlich mehrere Krankheitsfälle und daher Planungsprobleme der Pflegedienstleitung.
Positive FaktorenKeine
Umgang mit der SituationDie Pflegekraft hat sich darüber so geärgert, dass sie nicht in der Lage war, die Pflegedienstleitung darauf anzusprechen.

Ihre Arbeitsmotivation ist nach eigener Aussage "im Keller".
Verbesserungs-
vorschläge
Wenn es dazu kommt, dass mehrere Krankheitsfälle eintreten, sollte jede Pflegedienstleitung einen Notfallplan zur Hand haben, der aber nicht zu Lasten des eh schon überarbeiteten Stammpersonals geht.

Zum Beispiel könnten Aushilfsmitarbeiter auf 400 €-Basis eingestellt werden.
ArbeitsbereichPflege
ZeitFrühdienst
HäufigkeitWiederholt » 3 mal
VersorgungsformStationär » Klassisches Altenpflegeheim
BerichtendeMitarbeiter Pflege
BeteiligtePflegedienstleitung

Lösungsvorschläge aus den Kommentaren:


Als Leitung:

  • Die betroffenen Pflegekräfte direkt auf den betrieblichen Notstand ansprechen und im Gespräch ausdrücken, wie sehr man auf den Einsatz angewiesen ist und dies auch entsprechend würdigen (natürlich ohne Einsatz eines Druckmittels).
  • Dienstplanänderung bei einer Unterbrechung von nur einem Tag sofort bei Dienstantritt bekannt geben. Denn jeder Dienstplan, der genehmigt wird, hat lediglich insoweit Gültigkeit, bis Änderungen auftreten, die durch personellen Ausfall bedingt sein können.
  • Den festgelegten und genehmigten Dienstplan als das betrachten, was er ist: ein für beide Seiten bindendes Dokument. Im Falle einer krankheitsbedingten Unterbesetzung muss daher gegenseitige Achtung im Vordergrund stehen. Dann kann es auch mit einem freundlichen "Könnten Sie nicht doch ausnahmsweise einspringen." klappen.
  • Den Dienstplan vor dem Aushang vom Arbeitnehmer gegenzeichnen lassen, um so sichtbar zu machen, dass er zur Kenntnis genommen wurde. Etwaige Änderungen müssen dann auf gegenseitigem Einverständnis beruhen.
  • Hinter der Ablehnung einer Pflegekraft einzuspringen nicht nur egoistische Gründe sehen, sondern auch den Aspekt des Selbstschutzes vor eigener Erkrankung wegen Erschöpfung und damit der Vorbeugung vor Arbeitsunzufriedenheit, Burn-Out- und Helfersyndrom.
  • Darauf achten, dass nicht immer dieselben Pflegekräfte gefragt werden, wenn es um das Einspringen geht.
  • Am Tag des Dienstantritts die Pflegekraft persönlich fragen, ob sie an ihren freien Tagen einspringen kann.
  • Mediation bzw. Supervision, um einen bestehenden Konflikt bei der Dienstplanung zu entschärfen und um danach Vertrauen aufbauen zu können.
  • Daran denken, dass nicht die Pflegekraft, die sich beschwert, vorrangig gefährdet ist, sondern die, die den Ärger in sich hineinfrisst und nichts sagt.
  • Bedenken, dass die Gefahr besteht, dass die Pflegebedürftigen, die aufgestauten Emotionen der Pflegekräfte zu spüren bekommen.
  • Beachten, dass Personalausfälle aufgrund von Erkrankungen keine Notfälle darstellen, die es rechtfertigen frei Tage zu streichen.
  • Dienstplan von der Wohnbereichsleitung gemeinsam mit den Pflegekräften erstellen lassen und nur wenn keine Lösung gefunden wird, eine wohnbereichsübergreifende Regelung veranlassen.
  • Mit den Pflegkräften, die im Dienst sind, sprechen, ob sie länger arbeiten können (unter Beachtung des Arbeitszeitgesetzes). Erst wenn dies nicht möglich ist, Pflegekräfte die frei haben, fragen, ob sie einspringen können. Wenn alle Pflegekräfte wissen, dass „frei haben“ wirklich frei bedeutet, ist die Bereitschaft zur Mehrarbeit im Krankheitsfall eines Kollegen sehr hoch.
  • Eine Pflegkraft aus einem anderen Wohnbereich zum Dienst heranziehen, sofern sie/er an diesem Tag auch wirklich geplanten Dienst hat.
  • Neben dem Wohl der Bewohnerinnen und Bewohner auch das Wohl der Mitarbeitenden Blick behalten.
  • Selbst bei der Pflege im Wohnbereich aushelfen.

 

Einrichtungsbezogen:

  • Planung von Bereitschaftsdiensten, oder Leasing-Personal einsetzen.
  • Aufbau eines Kontingents an Springern, die bei Personalengpässen einspringen.
  • Einsatz von Leiharbeitern, wenn die Personalbesetzung nicht mehr vertretbar ist.
  • Pflegekräfte zu Poolkräften aufbauen, die in einem Wohnbereich arbeiten, sich aber auf den anderen Wohnbereichen auskennen und dort dann aushelfen können.
  • Klar regeln, wie mit solchen Situationen umzugehen ist. Zum Beispiel, dass:
    • ein einmal veröffentlichter Dienstplan rechtlich bindend ist,
    • es einen "Rückruf aus dem frei" nicht geben darf,
    • ein "Einspringen" eines Mitarbeiters nur mit seinem Einverständnis möglich ist.
  • Durch Veränderungen von Arbeitsabläufen die Personalressourcen erhöhen.
  • Wenn Dienstplanveränderungen aufgrund von Personalknappheit chronisch werden, sollte eine Neueinstellung von Personal erfolgen.

 

Als Pflegekraft nicht sprachlos werden, wenn man vor Dienstplanänderungen steht. Meist lässt sich in Gesprächen eine Lösung finden.

 

Hinweis:

Kurzfristige Dienstplanänderungen sind im Grundsatz unzulässig und bedingen eine 4-tägige Vorankündigungszeit. Ausschließlich nicht durch Planung auszugleichende Notfälle, wie Epidemien oder Katastrophen, berechtigen zu einer kürzeren Änderungsfrist (Arbeitsgericht Frankfurt, Urteil vom 12.10.2005, 22 Ca 3276/05).

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Kommentare

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27.08.2008 09:59 von Anonym

Dass es ärgerlich ist, wenn einem freie Tage, auf die man sich gefreut hat, gestrichen werden, ist sehr gut nachzuvollziehen.
Auch ist es kein sehr diplomatisches Vorgehen seitens der PDL die Notwendigkeit des Einspringens dem Mitarbeitenden nicht in einem Gespräch zu vermitteln.

Ich habe in der Vergangenheit immer wieder erlebt, dass es häufig dieses Gefühl des Fremdbestimmtseins ist, das den Mitarbeitenden nicht behagt. Wenn sie aber direkt auf den Notstand angesprochen werden und man im Gespräch ausdrückt, wie sehr man auf ihre Arbeitskraft und ihren Einsatz angewiesen ist und dies auch zu würdigen weiß (natürlich ohne Einsatz eines Druckmittels), dann stellt es meist kein Problem mehr dar.

Problematisch finde ich aber den Wunsch nach 400-Euro-Aushilfen. Denn wie kann denn ein Dienstplan geschrieben werden, wenn Krankheitsfälle mit eingerechnet werden sollen? [...]


27.08.2008 10:06 von Jens-U. Siedow-Schneidereit

Da die Pflegekraft nach einer Unterbrechung von nur einem Tag bereits die Änderung zur Kenntnis nehmen konnte, war es wohl eine akute Situation der Veränderung, die eingetreten war.

Auch ich würde nicht alle Kollegen gleich anrufen, die einmal gerade eine Schicht ausfallen und am Folgetag wieder da sein werden, sondern ich würde die Dienstplanänderung an eben diesem Tag bekannt geben.

Hier gleich von 400-Euro-Kräften zu sprechen, die eingestellt werden sollten, zeugt nicht von Verständnis für Wirtschaftlichkeit [...].
Jeder Dienstplan, der und genehmigt wird, hat lediglich insoweit Gültigkeit, bis Änderungen auftreten, die durch personellen Ausfall bedingt sein können. Hierin ein "kritisches Ereignis" zu sehen, weil die Motivation "im Keller sei" ist schon recht eng gesehen.

Erwachsene Menschen, die in der Pflege arbeiten, müssen nicht sprachlos werden, wenn sie vor Dienstplanänderungen stehen. Meist lässt sich in Gesprächen [...] eine Lösung finden.
Wenn keine weitere Veränderung möglich ist, dann zeigt das, dass die Gestaltung des Dienstplans auch dringend nötig war.

[...] Oftmals lassen sich durch eine quantitative und qualitative Veränderung der Personaleinsatzplanung sowie durch Veränderungen von Arbeitsabläufen die Personalressourcen erhöhen.

Wenn das QM ausgereizt sein sollte und die Dienstplanveränderungen auf Grund von Personalknappheit chronisch werden, dann erst sollte über ein Mehr an Personal nachgedacht werden.[...]


28.08.2008 08:06 von PDL

Der Unmut ist sicherlich Verständlich und es ist auch nicht bestreitbar, dass es nicht zum guten Ton gehört, einen Mitarbeiter, ohne vorheriger Rücksprache die freien Tage zu entziehen.

Leider ergeben sich gelegentlich Situationen, die ein solches Vorgehen rechtfertigen. Auch ich war schon in dieser Situation, dass die Mitarbeiter nicht ans Telefon gehen, oder auf Bitte um Rückruf auf dem Anrufbeantworter nicht reagieren.
Verständlich insofern, denn wenn ich frei habe, würde ich auch gerne meine Ruhe haben. Dann bleibt leider eben nur diese Option, zu planen und den Mitarbeiter vor vollendete Tatsachen zu stellen.

Das sollte aber die Ausnahme bleiben. Wenn's zur Regel wird, darf man mit der PDL sicherlich auch mal sprechen. Bleibt zu hoffen, dass man mit der PDL auch reden kann.

Aber ein Notfallplan bei Krankheiten? Wie soll der denn aussehen? Personal kostet viel Geld und man kann doch nicht auf gut Glück 400.-€ Kräfte anstellen.

Leider denken viele Mitarbeiter, wenn es knapp wird, dann muss halt mehr Personal her.
Bitte bedenken Sie dabei auch, dass diese dann auch das Recht haben, beschäftigt zu werden. Was macht man dann mit den 400.-€ Kräften, wenn alle Teil- oder Vollzeitkräfte im Dienst sind? Was werden diese Kräfte der PDL erzählen, wenn ihnen gesagt wird: "Diesen Monat verdienen sie nichts, ich kann sie nicht verplanen."

Die Medaille hat immer zwei Seiten. wie gesagt: den Unmut verstehe ich.


09.09.2008 07:33 von B. Sauer

[...] Ist der Zustand in der Alten- und Hauskrankenpflege schon derart miserabel, dass offensichtliche Rechtsbrüche der Führungskräfte einfach akzeptiert werden?

Ein festgelegter und genehmigter Dienstplan ist für beide Seiten ein bindendes Dokument. Der Arbeitgeber erwartet ganz selbstverständlich, dass der Arbeitnehmer zu den vereinbarten Diensten auch erscheint. Genauso bindend sind allerdings für den Arbeitgeber auch die vereinbarten freien Tage des Arbeitnehmers. Ein Einspringen im Frei kann also grundsätzlich nur mit Genehmigung des Arbeitnehmers erfolgen.

Diesen vor "vollendete Tatsachen" zu stellen ist nicht möglich. Es gibt keinerlei juristische Handhabe, den Arbeitnehmer zu einem solchen Dienst zu zwingen. [...].

Eine krankheitsbedingte Unterbesetzung ist [...] ein Organisationsproblem, mit dem sich die betreffende Dienststellenleitung herumzuärgern hat. In diesem Fall sollte gegenseitige Achtung im Vordergrund stehen, dann kann es auch mit einem freundlichen "könntest du nicht doch ausnahmsweise einspringen" klappen. Wer aber seine Mitarbeitenden vor "vollendete Tatsachen" stellt, oder dieses Vorgehen gar als Standard-Maßnahme bei Personalengpass betrachtet, der muss sich nicht wundern, dass das Personal nicht mehr ans Telefon geht und auch nicht zurückruft.

[...] Für solche Fälle gibt es die - zugegebenermaßen kostenintensive - Planung von Bereitschaftsdiensten, oder es gibt die Möglichkeit, Leasing-Personal zu ordern.
Auch wäre vorstellbar, dass sich die Einrichtung selbst mit der Zeit einen Stamm an Springern aufbaut. Der kann sich z.B. aus Leuten rekrutieren, die man gezielt so bewirbt, die vielleicht nur noch tageweise arbeiten wollen bzw. können. Ich denke auch an die ehemals Schwangeren, die sich aktuell in Erziehungszeit befinden. Diese werden bei uns gerne als Springer rekrutiert und sie freuen sich dann auch, wenn sie so 3-4 Dienste im Monat etwas dazuverdienen können, ohne gleich die Erziehungszeit wieder abzubrechen. Nur so als Anregung.

Vom KDA sollte eine klare Stellungnahme zu diesem Thema erfolgen.


09.09.2008 14:47 von Jens-U. Siedow-Schneidereit

Kurzfristige Dienständerungen sind im Grundsatz unzulässig und bedingen eine 4-tägige Vorankündigungszeit.
Ausnahme: Nicht durch Planung auszugleichende Notfälle berechtigen zu einer kürzeren Änderungsfrist (Arbeitsgericht Frankfurt, Urteil vom 12.10.2005, 22 Ca 3276/05).

[...] In der Situation eines plötzlichen, unerwarteten Ausfalles eines Kollegen, zum Beispiel durch Krankheit, ohne welchen die Versorgung der Patienten/Bewohner fachlich nicht ausreichend sicher gewährleistet wäre, scheint mir daher eine kurzfristige Dienstplanänderung legitim.


23.09.2008 07:04 von Anonym

Was aber wäre gewesen, wenn die betreffende Person nach ihrem freien Tag wieder ihren Dienst angetreten hätte und nicht auf den aushängenden Dienstplan geschaut hätte? Sie ist ja nicht verpflichtet jeden Tag auf den Dienstplan zu schauen.

Der Dienstplan belegt die geplante Arbeitszeit, bzw. die Soll-Arbeitszeit, die der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber schuldet.
Dieser ist ab Aushang mit Unterschrift verbindlich und sollte auch vom Arbeitnehmer gegengezeichnet werden, um so sichtbar zu machen, dass er zur Kenntnis genommen wurde. [...]


06.10.2008 11:13 von Anonym

Will ein Arbeitgeber ohne konkrete Notlage den Dienstplan ändern, so muss er eine angemessene Ankündigungsfrist von mindestens vier Tagen einhalten, anderenfalls befindet er sich im Annahmeverzug.
(ArbG Frankfurt am Main, Urteil vom 12.10.2005, Az. 22 Ca 3276/05)

Der Dienstvertrag (= Arbeitsvertrag) verpflichtet nur zu den vereinbarten Diensten, und zwar in den Zeiten, die miteinander abgesprochen sind. Solche Absprachen erfolgen in aller Regel per Dienstplan, der dann für beide Parteien verbindlich ist. Der Dienstplan kann grundsätzlich aus betrieblichen Erwägungen geändert werden; allerdings kurzfristige Änderungen scheiden eher aus.

Mit dem Arbeitsvertrag stellt der Arbeitnehmer seine Arbeitskraft zur Verfügung. Im Rahmen von Gesetzen, Tarifverträgen und Dienstvereinbarungen übt der Arbeitgeber sein Direktionsrecht aus, indem er den Arbeitnehmer durch eine Dienstplanung zur Arbeit (wann, wo und wie viel) einteilt.

[...]

Gesetzeshinweise: BGB §615, GewO §106, TZBfG §12, Abs. 2 .


12.10.2008 17:25 von Jens-U. Siedow-Schneidereit

Ethisch-moralische Aspekte sollten, da stimme ich dem vorherigen Kommentar zu, jederzeit und in jeder Branche Berücksichtigung finden. In diesem Beispiel wurde als wahrscheinlicher Auslöser genannt: "mehrere Krankheitsfälle und daher Planungsprobleme der Pflegedienstleitung."
Somit ist aus meiner Sicht ein durchaus moralisch einwandfreier Beweggrund gegeben, bei vorhandenen Personalressourcen, diese auch zu nutzen.

Die Sicherstellung der pflegerisch/menschlich/ethisch notwendigen Versorgung der Bewohner steht jederzeit im Vordergrund. Die Belange der Einrichtung mit ihren Mitarbeitern werden ebenfalls gewahrt.

Bei Personalausfall wäre die LQV nicht mehr gewährleistet, somit könnten Verträge seitens der Träger gekündigt werden. Damit [...] wäre eine Bedrohung der Arbeitsplätze gegeben, was moralisch, ethisch und ökonomisch nicht vertretbar wäre.

Ganz davon abgesehen wären die Bewohner einer, wenn auch zeitlich befristeten, Unterversorgung preisgegeben, was wohl kaum mit moralisch-ethischen Wertvorstellungen vereinbar wäre.

Tatsächlich sollten solche Geschehnisse, die auch von mir durchaus als für das Personal kritische Ereignisse gesehen werden, nicht zur Regel werden, aber davon war ja hier auch keine Rede.

Andernfalls wäre bei geduldetem Personalausfall und Minderbesetzung wohl ein kritisches Ereignis für die Bewohner und das Personal eingetreten.
Genau davor wurden alle, Personal wie auch Bewohner, in der benannten Situation offenbar geschützt.


21.10.2008 05:44 von Die Lilie

Es gibt nicht nur Arbeitsgesetze, Gesetze der Wirtschaftlichkeit, usw. Es gibt auch den Begriff der Wirtschaftsethik. Es gibt außerdem fundierte Studien zu innerbetrieblichen Strukturen, die einen hohen Krankenstand, Arbeitsunzufriedenheit, Ausgebranntsein, etc. verursachen.

Es ist nicht die Aufgabe einer Pflegekraft, die vor vollendete Tatsachen gestellt wird, das Problem des Arbeitgebers und der PDL zu lösen.

Und ob das Prinzip des Lobes, der Anerkennung und der angeblichen Wertschätzung langfristig gesunde Wirtschaftlichkeit mit sich bringt, ist zu bezweifeln. Man bedenke: es wird das Ziel verfolgt, ein Problem auf Kosten des Mitarbeitenden zu lösen.

Des Weiteren ist zu hinterfragen: geht es in einer betrieblichen Institution um den Erhalt, den Status Quo (Arbeitsplatzsicherung), oder um Gewinnoptimierung durch Einsparung von Pflegepersonal?

Ich empfinde das für die betroffene Pflegekraft durchaus als ein kritisches Ereignis. Kritisch schon deshalb, da es auch die Gesamtproblematik des Helfersyndroms verdeutlicht. Und der beste Weg, dem zu entkommen ist nun einmal "nein" sagen zu lernen.

Auch wenn die Pflegekraft anonymisiert protestiert, so ist es doch der erste Schritt.

Und so könnte auch eine PDL erfahren, dass das Wort "nein" zwar viele egoistische, aber nicht minder gesunde Anteile, in sich birgt.


10.11.2008 12:35 von Anonym

Es ist nicht gut, dass die Pflegekraft nicht informiert wurde. Die PDL hätte sie am Tag ihres Dienstes persönlich fragen sollen, ob sie an ihren eigentlich freien Tagen einspringen kann. Hat die PDL sich mal gefragt, ob die Pflegekraft z. B. vielleicht etwas wichtiges familiäres geplant hat? [...]

Gute PDL's lesen auch zwischen den Zeilen. Außerdem sollten nicht immer dieselben einspringen.


11.11.2008 09:21 von Anonym

Antwort einer (hoffentlich guten) Pflegedienstleitung:
[...] Der wichtigste Aspekt in der Arbeit der Altenpflege ist es, die Wünsche der Bewohner [...] zu erfassen und unterstützend bzw. an seiner Statt zu verbalisieren.

Die Voraussetzung hierfür ist meiner Meinung nach aber auch, dass die Pflegekräfte ihre eigenen Wünsche und Vorstellungen formulieren und kommunizieren können. Denn nur dann werden mögliche Missverständnisse ausgeräumt.

[...] Nur wer kommuniziert kann etwas verändern.


12.11.2008 16:54 von Harald Schwarz

Hier geht es doch nicht um die Frage, ob eine Pflegekraft kurzfristig im Notfall zusätzliche Dienste übernimmt oder Dienste tauscht. Hier geht es doch um das "Wie".

Eine Änderung des Dienstplans - nicht umsonst muss er als verbindliches Dokument unterschrieben werden - ohne Rücksprache mit den betreffenden Mitarbeitenden ist unabhängig von der juristischen Lage nicht akzeptabel und zeugt von einem schlechten Betriebsklima.
Hier ist dringend Mediation bzw. Supervision angezeigt, um den Konflikt zu entschärfen und um danach Vertrauen aufbauen zu können.

Eine PDL darf sich nicht wundern, wenn die Mitarbeitenden aus Wut oder Frust krank werden. Aber nicht die Pflegekraft, die sich beschwert, ist vorrangig gefährdet, sondern die, die den Ärger in sich hineinfrisst und nichts sagt.

Zudem besteht bei den geschilderten Strukturen die Gefahr, dass die Pflegebedürftigen, die sich nicht zur Wehr setzen können, die aufgestauten Emotionen zu spüren bekommen.


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